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Andacht

Andacht
 
Andacht zum Sonntag Lätare (Freuet euch) am 22. März 2020
Bibeltext: Jesaja 66
10 Freut euch mit Jerusalem und frohlockt über sie, ihr alle, die ihr sie liebt; frohlockt, teilt nun auch ihre Freude mit ihr, ihr alle, die ihr euch um sie betrübt habt. 13 Wie einen, den seine Mutter tröstet, so will ich euch trösten; ja, in Jerusalem sollt ihr getröstet werden!
 
Andacht
Liebe Gemeinde,
Grund zur Freude haben wir in diesen Tagen wenig. Das Corona-Virus hat die Welt im Griff, das gesellschaftliche Leben ist in Deutschland lahmgelegt. Auch die Kirche ist davon betroffen. Der Staat greift in unser persönliches Leben ein wie seit langem nicht mehr. Da sind viele Sorgen, nicht nur um die eigene Gesundheit, womöglich auch um das Leben, sondern bei vielen auch um die wirtschaftliche Existenz und um persönliche Lebensentwürfe.Uns wird auf einmal sehr deutlich bewusst, dass die Zukunft nicht planbar ist, dass nichts sicher, nichts vorhersehbar ist. Dass die ganze Entwicklung so apokalyptisch erscheint, liegt sicher auch daran, dass der Gegner nicht zu sehen, nicht zu greifen ist. Und dass wir uns ausgeliefert und hilflos fühlen. Das Leben geht in eine Art Stand-By-Modus. Wir leben – mitten in unserer Heimat – irgendwie doch in einem Zustand des Exils.
 
Israel hat auch solche Situationen erlebt. Immer wieder. Jerusalem wurde erobert und zerstört. Menschen verschleppt, der Tempel vernichtet, das religiöse und gesellschaftliche Leben weitgehend lahmgelegt. Nullpunktsituationen sind das, Momente, in denen nichts mehr zu gehen scheint, absoluter Stillstand. Wir kennen dieses Phänomen aus persönlichen Erfahrungen: eine schlechte Diagnose oder der Tod eines geliebten Menschen. Auch da gehtdas Leben an einem vorbei, man fühlt sich in einem Kokon eigener Leiderfahrung gefangen. Dieses Mal sind wir aber irgendwie alle betroffen. Die Verunsicherung ist groß, weil wir alle mit dieser Situation neue Erfahrungen machen. Wer und was kann da Halt geben? Klare Entscheidungen sind sicher eine Maßnahme, die zur Beruhigung beitragen kann. Auch die unaufgeregte wissenschaftliche Betrachtung eines unbekannten Phänomens ist vertrauensbildend. Aber was hilft vor Ort bei konkreten Bedürfnissen?
 
Hamsterkäufe sicher nicht. Auch Panikmache ist fehl am Platz. Aber Trost, den braucht es jetzt. Und auch davon spricht Jesaja. Im Moment ist die Zeit des Trostes angesagt. Denn Trost bedeutet für mich: Solidarität, Unterstützung, Begleitung. Und da erleben wir in diesenTagen doch sehr vieles, das Hoffnung macht. Menschen organisieren Nachbarschaftshilfen für die so genannten Risikogruppen, vor allem ältere und kranke Menschen. Die Behörden suchen neue Wege, wenigstens eine Grundversorgung aufrecht zu erhalten. Restaurants bieten kontaktfreie Lieferdienste an. Ganz zu schweigen von dem Einsatz der Krankenhauskräfte und Angestellten der Lebensmittelläden, die jetzt eine Überstunde nach der anderen schieben, um uns mit dem Nötigsten zu versorgen. All das, was funktioniert, was uns Solidarität spüren lässt und konkret hilft, all das ist eine Form von Trost, den wir alle dringend nötig haben: um Kraft zu sammeln, um nicht zu vereinsamen, um Lebensmut zu gewinnen, um Zuversicht zu entwickeln.
 
Und dann, irgendwann, ist sicher auch wieder die Zeit der Freude und Ausgelassenheit. So wie Jesaja es seinem Volk damals versprochen hat, als noch alles verloren schien. Denn der Prophet ist davon überzeugt, dass, so unsicher die Zukunft auch sein mag, auch sie Zeit ist, die von Gott begleitet bleibt. Deshalb bleibt es für uns als Kirche wichtig, Mittel frei zu machen und Wege zu finden, um miteinander in Kontakt zu bleiben, uns gegenseitig zu ermutigen und das Evangelium zu teilen. Auch wenn die normalen Versammlungen am Sonntag ausbleiben, heißt das ja nicht, dass kein Gottesdienst – Gottes Dienst – stattfindet. Wenn wir zum Gebet eine Kerze ins Fenster stellen oder beim Geläut der Kirchenglocken beten, dann sind wir miteinander verbunden, dann ist das Gottesdienst. Damit können wir Menschen erreichen und unterstützen, die im Moment jede Zuwendung – wenn auch nicht physisch – gebrauchen können.
 
Gott bleibt gegenwärtig. Überall und zu jeder Zeit. Amen
 
 
 
 
Gebet:
Gott, die Welt sieht anders aus als noch vor ein paar Tagen.
 
Wir bitten dich, dass wir in der akuten Ausnahmesituation,in der wir uns befinden, weder den Verstand noch das Herz verlieren.Lass uns besonnen bleiben, Barmherzigkeit üben, wo es möglich ist und Wege finden, dass wir uns trotz Distanznicht aus den Augen verlieren.
 
Lass uns dankbar sein gegenüber jenen, die sich nun aufopferungsvoll um das Wohl der Allgemeinheit kümmern. Wir denken an die Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte in den Krankenhäusern und Praxen und an die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Verkauf.
Wo wir dazu in der Lage sind, lass uns helfen.
 
Nicht vergessen wollen wir aber auch jene, die nun in Vergessenheit geraten:die Flüchtlinge, die Menschen in Kriegsgebieten, die Hungernden und die Verfolgten.
 
Unser Leben, Gott, liegt in deinen guten Händen. Amen
Eintrag vom: 21.03.2020