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Und Gott chillte

Und Gott chillte

so, liebe LeserInnen, heißt ein Buch, das die Bibel in Form von Kurznachrichten darbietet. Die Bibel wurde dazu in fast 4000 sog. Stellen aufgeteilt. Und wer bei diesem Projekt mitmachen wollte, fasste eine davon in höchstens 140 Zeichen zusammen. „Und Gott chillte“, das bezieht sich auf die Schöpfungsgeschichte. Genauer: auf den letzten, den siebten Tag; den Sabbat, „an dem Gott von all seinen Werken ruhte“. Und es verweist auf das dritte der 10 Gebote: „Weil Gott an diesem Tag ruhte, soll auch der Mensch an diesem Tag keine Arbeit tun“.

„Chillen“ kommt aus dem Englischen und bedeutet ursprünglich „kühlen, abkühlen“. In der Jugendsprache, in die es in den vergangenen Jahren eingewandert ist, meint es so viel wie „entspannen, abhängen“. Also ziemlich genau das, was früher „auf der faulen Haut liegen“ genannt wurde. Die Beine hoch legen und die Hände in den Schoß. Nichts tun. Entspannen. Ausruhen. Auf einem bequemen Sofa, in der Hängematte, auf dem Liegestuhl, dazu leise Musik, vielleicht ein kühles Getränk.

Die Aufforderung zum Chillen ist so etwas wie das Losungswort unserer modernen Freizeit- und Spaßgesellschaft. Und die scheint mit der Lebensweise vergangener Generationen („Nur Arbeit war sein Leben!“) nichts mehr zu tun zu haben. Aber das täuscht! Denn zum einen ist die Arbeit zwar (zeitlich) weniger, dafür aber intensiver geworden. Und zum anderen wird die Freizeit selbst zur Arbeit: Was müssen wir nicht unbedingt alles machen und erleben, um mitreden zu können und um ja nichts von dem, was gerade angesagt ist, zu versäumen! Das kostet Zeit und Geld und Nerven. Ist anstrengend. Und oft wenig entspannend...

Das Ruhen, von dem die Bibel spricht, ist freilich mehr und anderes als ein Ausruhen von und für die Arbeit. Es bezweckt nicht die Wiederherstellung der Arbeitskraft, sondern ist zweckfrei! In ihrem Gedicht „Den Feiertag heiligen“ schreibt Dorothee Sölle: „Das dritte Gebot sagt mir: / Du sollst dich selbst unterbrechen. / Zwischen Arbeiten und Konsumieren / soll Stille sein und Freude, / zwischen Aufräumen und Vorbereiten / sollst du es in dir singen hören, / Gottes altes Lied von den sechs Tagen / und dem einen, der anders ist. / Zwischen Wegschaffen und Vorplanen / sollst du dich erinnern / an diesen ersten Morgen, / deinen und aller Anfang, / als die Sonne aufging / ohne Zweck / und du nicht berechnet wurdest / in der Zeit, die niemandem gehört / außer dem Ewigen.“ Ein solches Chillen, das uns nicht verplant, verzweckt, verwertet, wünsche ich Ihnen und mir - auch in der kommenden Urlaubs- und Ferienzeit!

Ihr Pastor Lothar Sonntag

Eintrag vom: 18.05.2019