OK

Cookies auf unserer Seite.

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Andacht

Bild - Evangelische Kirchengemeinde Selm

Ein Zeichen ökumenischer Verbundenheit

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Zeilen stehen sowohl im katholischen Pfarrbrief als auch im
evangelischen Gemeindebrief. Denn in deren jeweiligen Ausgaben
zur Osterzeit finden Sie ein gemeinsames Grußwort - abwechselnd
von katholischer und, so in diesem Jahr, von evangelischer Seite.

Ein Zeichen ökumenischer Verbundenheit. Wozu das gut ist? Lassen
Sie mich, gewissermaßen als Antwort, eine Geschichte erzählen. Eine
Geschichte, die sich vor einigen Jahren zugetragen hat. Es ist
Pfingstmontag, und die beiden großen Kirchen in Selm feiern gemeinsam
Gottesdienst. (In diesem Jahr übrigens schon zum zehnten
Mal: Am Pfingstmontag, den 9. Juni, ab 11 Uhr in der alten und
schönen Kirche St. Stephanus in Bork!) Das Glaubensbekenntnis
wird anders als in den Vorjahren nicht gesungen, sondern von allen
gesprochen. Die Langsameren und die Schnelleren finden bald ein
gemeinsames Sprech-Tempo. Doch beim dritten Artikel geschieht es
dann: "Ich glaube an den Heiligen Geist" sprechen noch alle zusammen.
Aber während die Einen dann fortfahren mit "die heilige katholische
Kirche", bekennen die Anderen ebenso vernehmbar "die heilige
christliche Kirche". Für einen kurzen Moment sind alle sichtlich
irritiert. Aber das Stutzen angesichts dieses einen unterschiedlichen
Wortes weicht schnell einem verstehenden Schmunzeln: Nein, wir
sind nicht gleich - wir sind verschieden. Und wir, Katholische wie
Evangelische, sind eben -hörbar- nicht alleine!

Wir sind nicht allein: Das gilt im Blick auf unsere Stadt, das gilt im
Blick auf unsere Welt. Selbstverständlich wissen wir das alle, aber
zumindest ich vergesse das bei meiner täglichen Arbeit auch immer
wieder. Darum ist es gut, sich daran zu erinnern, sich daran erinnern
zu lassen. Wir sind nicht allein: Dieses Wissen kann uns ja vor Überheblichkeit
bewahren - natürlich sind wir unserem jeweiligen
Selbstverständnis nach Kirche Jesu Christi, aber wir sind eben nicht
die Kirche, sondern eine neben vielen anderen. Wir sind nicht allein:
Diese Einsicht kann uns andererseits vor Mutlosigkeit schützen - weil
wir nicht alles alleine zu tragen, zu bedenken, zu verantworten haben; weil da andere sind, mit denen wir unseren Glauben feiern, praktizieren, leben können.

Wir sind nicht allein: Der Apostel Paulus gebraucht das Bild vom Leib Christi, um die Zusammengehörigkeit und Verschiedenheit der Glaubenden in der einen Kirche Jesu Christi zum Ausdruck zu brin-gen. Mir gefällt dieses Bild, weil es von Gleichmacherei und Uni-formität befreit. Christen (und Kirchen) dürfen ihren eigenen Kopf haben; müssen nicht alle das gleiche denken, tun, sagen. Vielleicht sind die bestehenden Unterschiede in Lehre und Tradition ja sogar ein Reichtum?! Zudem gilt: Das, was uns verbindet, ist viel mehr als das, was uns trennt - nicht nur beim Sprechen des Glaubens-bekenntnisses.

Wir sind nicht allein: Gemeinsam sind wir Teil des Leibes Christi. Der, gekreuzigt und leibhaftig auferstanden, hat einmal gesagt (Jo-hannes 14,19): Ich lebe und ihr sollt auch leben!

Eine gesegnete Osterzeit wünscht Ihnen
Ihr Lothar Sonntag, Pfarrer

Eintrag vom: 01.04.2014