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Andacht

Bild - Evangelische Kirchengemeinde Selm

Schwarze Schafe ...

 

Es ist schon einige Wochen her, da klingelte Freitag morgens im Gemeindebuero das Telefon. Am anderen Ende war die Mitarbeiterin eines Drogeriemarktes: Fuer die Tafel-Ausgabe staenden einige Kartons bereit; ob die wohl abgeholt werden koennten? Konnten sie und wurden sie. Und als sie wenig spaeter ausgepackt wurden, kam neben Produkten zur Koerperpflege vor allem Oesterliches Dekorations-Material zum Vorschein: eifoermige Kerzen, mit Kueken und Haeschen bedruckte Servietten, kleine Schaf-Figuren aus Ton und Wolle. Wobei die meisten dieser Schafe schwarz waren.
Im Einzelhandel mag die Zeit fuer schwarze Schafe schon bald nach Ostern vorbei sein. Aber sonst? Die junge Frau, die zwar ebenso wie ihre Geschwister heiratet, aber anders als diese nicht standesgemaess. Die Jugendliche, die Wert auf huebsche Kleidung legt, aber den in ihrer Klasse angesagten Marken-Mode-Wahn nicht mitmacht. Der 30jaehrige, der nach Arbeitslosigkeit und Trennung von seiner Freun-din auf die schiefe Bahn geraten ist und nach fuenf Jahren ohne Wohnung aussieht wie 40. Allesamt: Schwarze Schafe. Menschen, die sich nicht in die jeweilige Gemeinschaft und deren Regeln einordnen. Die auffallen, weil sie anders aussehen, denken, handeln. Und die des-wegen abgestempelt und ausgegrenzt werden.
Der Messias Jesus ist einer von ihnen: Als Fresser und Weinsaeufer ist er verschrien; als Geselle von Zoellnern und Suendern. Der ist also nicht mit den richtigen Leuten zusammen, sondern mit den Falschen, denen am Rande. Der sagt nicht, was alle hoeren wollen, und tut auch nicht, was alle tun. Seine Familie brueskiert er, als er die, die Gottes Willen tun, als seine wahren Verwandten bezeichnet. Und mit seinen Gleichnissen vom Reich Gottes wird er nicht nur fuer die Menschen aus seiner Heimatstadt Nazareth zum Aergernis.
Jesus, das schwarze Schaf. Fuer sein unangepasstes Verhalten steht er mit seinem Leben ein. Und er ermutigt andere, gegen Uniformitaet und Konformitaet zu streiten. Es scheint paradox: Sobald und solange Menschen, die "anders" sind, abgewertet und ausgegrenzt werden, solange brauchen wir noch viele schwarze Schafe!
Es gruesst Sie herzlich
Ihr Lothar Sonntag

 

Eintrag vom: 01.08.2012