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Andacht

Bild - Evangelische Kirchengemeinde Selm

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Ostern 2013

Weil uns mehr verbindet als uns trennt, entstand die Idee zu diesem neuen ökumenischen Zeichen: ein gemeinsames Grußwort in den Osterausgaben der evangelischen und katholischen Gemeindebriefe, im jährlichen Wechsel mal von evangelischer, mal von katholischer Seite geschrieben. Seit Jahren gehören in Selm zur guten, gemein-samen Tradition der ökumenische Pfingstmontagsgottesdienst, die Zusammenarbeit im Ökumenekreis, ökumenische Schulgottesdienste, eine Andacht in Selm-Bork zur Woche des „Gebets um die Einheit der Christen“ und weitere kleine wie große Projekte. Mit diesem ökumenischen Ostergruß fügen wir ein weiteres Zeichen der engen Verbundenheit im Glauben hinzu.

Ist Ihnen das Titelbild aufgefallen? Da sitzt ein Kind auf einem Teppich und schaut auf ein Kreuz, das es mit einer Hand behutsam fest hält. Es macht den Eindruck, als wenn es nicht nur eine Moment-Aufnahme ist, sondern als wenn dieses Anschauen auch länger gewesen ist – betrachtend, fragend, vielleicht verwundert, irritiert, aber auch liebevoll …

Können wir heute noch Kindern die Botschaft von Jesu Sterben und Auferstehen vermitteln? Haben wir nicht eher den Drang, Leid und Tod von ihnen fern zu halten? Vielleicht ist dieser Teil unseres Glaubens ja doch eher etwas für Erwachsene. – Und dann denke ich an Berichte von Eltern, wie einfach, wie leicht Kinder mit diesem Thema umgehen können. Sie sind betroffen davon, dass jemand stirbt, aber sie glauben uns Erwachsenen auch die Botschaft, dass es zugleich um neues Leben, von Gott geschenkt, geht. Für Kinder ist diese Botschaft kein Problem. Wenn wir ehrlich sind, haben diese Probleme eher wir Erwachsene, die das „kindlich Glauben“ abgelegt haben. Wir hätten lieber wie der ungläubige Thomas einen Beweis für Auferstehung und ewiges Leben.

Doch diese Garantie gibt es nicht. Vielmehr müssen wir als Theologen sogar um der Ehrlichkeit willen sagen, dass wir zwar eine deutliche Botschaft haben, diese aber immer nur unzulänglich in Worten und Bildern zu fassen vermögen. Das IV. Laterankonzil (1215 n.Chr.) formulierte dies mit den Worten: „Von Schöpfer und Geschöpf kann keine Ähnlichkeit ausgesagt werden, ohne dass sie eine größere Unähnlichkeit zwischen beiden einschlösse.“ – Das dürfen Sie übertragen auf alle Versuche, Gott, Jesus, den Heiligen Geist, Auferstehung, Gottes Reich, Gottes Gegenwart in Menschen oder auch in Brot und Wein zu erklären. Gott, Jesus, … ist und bleibt immer der ganz andere. Unsere Erklär-Versuche sind Hilfen und zugleich müssen wir immer wieder sagen: Es wird noch ganz anders sein. Auch wenn es manchmal einen anderen Eindruck erwecken mag, wir erfassen nur einen kleinen Teil. Der weitaus größere Teil bleibt verborgen, unbeschreibbar und unbegreiflich.

„Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ (Mk 10,15) – Vielleicht sind gerade hier die Kinder uns einen Schritt voraus und sogar Vorbild durch ihr großherziges Vertrauen. Wir Erwachsene kommen nicht um diesen Schritt herum, wie ein Kind ohne Vorbehalt zu vertrauen. Wie das Kind dem Erwachsenen vertraut, so sollen auch wir Gott vertrauen, sollen glauben, dass richtig und wahr ist, was er uns sagt. Dieser Glaube gibt in unserer heutigen Zeit vielen Christen wie auch mir Lebenshilfe, Sinn und Freude.

Gott bleibt seiner Botschaft treu: „Leid und Tod werden mit Ostern nur noch das Vorletzte sein, nur noch eine Durchgangssituation. Am Ende wird ein Glück stehen, das wir kaum fassen können.“ (Pater Wilhelm Ruhe) – Damit steht unser Leben in einem anderen Licht. Voll kindlichem Vertrauen dürfen wir als Erlöste leben, glücklich im Heute, mit einer Freude, die aus tiefem Herzen kommt. – Gott will, dass wir leben, jetzt und einmal alle zusammen mit IHM. Er schaut nicht auf eine Religion, eine Konfession, er will das Leben in Fülle und schließt davon sicherlich keinen aus.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein vertrauensvolles, freudiges Osterfest und Gottes reichen Segen.

Pfarrer Claus Themann

Eintrag vom: 01.04.2013