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Andacht

Bild - Evangelische Kirchengemeinde Selm

2017 - das Jubiläumsjahr der Reformation

Liebe Leserin, lieber Leser,

Das Jahr 2017 ist das Jubiläumsjahr der Reformation. Gefeiert wird das ganze Jahr, nicht nur am 31. Oktober 2017. Zu Beginn dieses Jahres, am 01. Januar, haben die Kirchenglocken 500 Sekunden lang geläutet, um an das 500-jährige Jubiläum zu erinnern. Der 31. Oktober ist ohnehin eher ein symbolisches Datum, auch wenn er in diesem Jahr ein Feiertag ist und wir ihn besonders begehen werden. Seine reformatorische Entdeckung hat Martin Luther nicht über Nacht gemacht. Die Gewissheit, von Gott ohne Bedingung geliebt zu sein, ist nach und nach gewachsen. Sein Herz und sein Geist haben sich mit Gewissheit und Vertrauen gefüllt. Und da war dann immer weniger Platz für Angst und Zweifel. Diese innere Freiheit wollte dann auch nach außen. Sie ist zu Worten auf Papier geworden, zu den Ablassthesen, zu den großen Schriften aus der Anfangszeit der Reformation wie „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“. Das ist die Jahreslosung für das Jubiläumsjahr 2017 aus dem Buch des Propheten Ezechiel (Ez 36,26). Man kann sie hören, als ginge es hier auch um eine sehr plötzliche Veränderung. Altes Herz raus, neues Herz rein, alter Geist raus, neuer Geist rein. Eine Operation Gottes an seinen Menschen, vor der man beinahe Angst bekommen kann. Liest man bei Ezechiel nur ein wenig weiter, sieht man, dass es hier um einen langen Prozess der Veränderung und Verwandlung geht. Menschen, die sich einmal von Gott abgewandt haben, sollen wieder zu Gott zurückfinden. Und das geschieht nicht von jetzt auf gleich, sondern nach und nach. Ich lerne daraus: Veränderungen, besonders große Veränderungen, brauchen Zeiten der Vorbereitung. Und es kann lange dauern, bis sie nicht mehr ständig hinterfragt werden. So war es mit der Reformation. So ist es auch heute, wenn Veränderungen sich ankündigen und wenn Selbstverständlich-keiten plötzlich hinterfragt werden. Ein neues Herz und ein neuer Geist müssen langsam wachsen. Das ist ein guter Gedanke. Denn wir haben große Aufgaben vor uns. Den Flüchtlingen einen Platz in unserer Gesellschaft geben, zum Beispiel. Und dafür sorgen, dass wir miteinander leben und nicht gegen-einander, bei uns, in Europa und in der ganzen Welt. Die Worte „ecclesia semper reformanda“, Kirche ist immer eine zu verändernde, nehmen das Grundanliegen der Reformation auf. Ich wünsche mir, dass wir in diesem Jubiläumsjahr nicht nur zurückblicken, sondern uns neu auf die Anliegen der Reformation besinnen und ein neues Herz und ein neuer Geist unter uns wächst.

Ihre Pfarrerin Antje Wischmeyer

Eintrag vom: 25.01.2017