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Andacht

Bild - Evangelische Kirchengemeinde Selm

„Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.“ (Psalm 139, 14)

„Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.“ Ehrlich gesagt: Diesen Satz höre ich nicht oft. Und es ist egal, ob ich jungen oder alten Menschen begegne. Da sind die Jugendlichen, die sich kritisch mit anderen vergleichen. Da sind die Älteren, die mit einem kleinen Lächeln im Mundwinkel sagen: „Ja, ja, der Lack ist ab!“ Da sind die, die in ihrem Leben wirklich nicht viel Wunderbares erfahren haben. Und da sind die Menschen, die große Ansprüche an sich selbst stellen und sich quälen, wenn sie dem nicht gerecht werden.

„Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.“ Dieser Satz kommt den wenigsten Menschen leicht über die Lippen. Viel leichter tun wir uns damit, zu formulieren, was uns an uns selbst verbesserungswürdig erscheint. Ja, viele Menschen sind nicht mit sich zufrieden. Viele mühen sich darum, sich selbst zu verbessern. Darin sind wir vielleicht unverbesserlich. Wir arbeiten an uns - es wäre ja auch schlimm, wenn es uns egal wäre, was aus uns wird.

Aber welche Ideale leiten uns dabei? Werden wir in dieser „Arbeit an uns“ immer mehr wir selbst - oder werden wir immer mehr, wie die anderen uns haben wollen? Haben wir uns das Ziel, auf das wir zuarbeiten, selbst gesteckt oder sind uns unsere Ziele vorgegeben?

Ein eigener Mensch werden, das bedeutet noch vor allen äußeren Veränderungen: eine eigene Sprache finden, eine Sprache für unsere Wünsche und Ängste, für unsere Ziele. Wer kann das schon? Oft ist es unerwünscht, wenn jemand eigenwilligen Gedanken und Plänen nachgeht. Querdenker stören.

In diesen Tagen feiern wir Pfingsten. Pfingsten ist Fest des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist ein Kreuz-und-Quer-Denker. Eigenwillig und überraschend ist, wie Lukas über den Heiligen Geist erzählt. Seine Pfingstgeschichte ist ein Sprachwunder: Aus vielen Völkern sind Menschen nach Jerusalem gekommen, ein Sprachengewirr. Da treten einfache Menschen auf, sie erzählen von Jesus, der den Tod besiegt hat. Und dann das Wunder: Die Zuhörer sagen: „Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? ... Wir hören sie in unseren Sprachen von den großen Taten Gottes reden!“ (Apg. 2).

Das Sprachwunder kann uns ein Gleichnis sein. Das Sprachwunder des Lukas bedeutet nicht: Alle haben dieselbe Sprache. Pfingsten bedeutet: Jeder darf seine Sprache haben und wird dennoch vom anderen verstanden. Im Heiligen Geist finde ich zu mir selbst und verliere doch den anderen nicht.

„Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin“ - das wird erst schön und ganz, wenn ich auch zu sagen lerne: „ Ich danke dir, Gott, dass du den Menschen neben mir so wunderbar gemacht hast.“ Oder mit dem zweiten Teil des Verses 14 aus Psalm 139 ausgedrückt: „Wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“ Trauen wir der Erkenntnis unserer Seele und geben ihr Worte und Gestalt: „Ich danke Gott, dass wir wunderbar gemacht sind. Du und ich und der Mensch neben mir.“

Ihre Pfarrerin Heike Scherer

Eintrag vom: 01.04.2016